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Exkursion Franken

Schloss_Kunreuth
Schloss Kunreuth:
Die malerische Rückansicht

Die Landesgruppe Sachsen-Anhalt in der Fränkischen Schweiz

von Dirk Höhne

Lange war sie angedacht, die Exkursion nach Franken. Dieses Jahr wurde die Tour endlich in Angriff genommen und, um es gleich vorweg zu nehmen, die Reise hat sich in jedem Falle gelohnt.

An einem Wochenende im September führte bei traumhaftem Spätsommerwetter die jährlich einmal stattfindende Zwei-Tages-Exkursion die Landesgruppe in die Fränkische Schweiz, bekanntermaßen einem Eldorado für Burgenliebhaber. Durch die dortige hohe Zahl und Dichte von Burgen und Burgruinen musste von vornherein eine Auswahl getroffen werden. Ziel war es dabei, einen Querschnitt durch die Befestigungsweisen der Region zu erhalten, was sowohl unter funktionalem, bautechnischem als auch chronologischem Aspekt erfolgte.

Eine relativ kleine, aber für eine Exkursion mit privaten PKWs überschaubare Gruppe von 15 Personen traf sich am Samstagmorgen 10.00 Uhr an der sogenannten „Kaiserpfalz“ in Forchheim. Als sachkundigen Führer durch die Anlage konnten wir Herrn Dr. Tillmann Kohnert gewinnen, der mit einer baugeschichtlichen Arbeit über das beeindruckende fürstbischöfliche Schloss promoviert wurde. Der um einen malerischen Innenhof gruppierte Vierflügelbau stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde vor allem in der Renaissance zu seinem heutigen Erscheinungsbild umgebaut. Beeindruckend waren für die Exkursionsteilnehmer vor allem die im Keller zu besichtigende, ausgeklügelte Heizungsanlage sowie die Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert im Kaisersaal.

Zweites Exkursionsziel war die Ehrenbürg, ein auf einem 1500 m langen und 300 m breiten, sattelförmigen Bergplateau gelegenes und seit der Jungsteinzeit besiedeltes Areal. Das Hochplateau erhebt sich 200 m über dem Wiesenttal und bietet somit eine grandiose Kulisse sowie atemberaubende An- und Ausblicke. Seit der Bronzezeit sind diese Siedlungen befestigt gewesen und als zentrale Stammesmittelpunkte zu werten. Die Kreisarchäologin des Kreises Forchheim, Frau Ermelinda Spoletschnik, war so freundlich, uns die Abfolge und Befestigungsweisen der verschiedenen Besiedlungsphasen zu erläutern und machte uns vor allem auf die bemerkenswerten Funde aus keltischer Zeit aufmerksam.

Am Fuße des Bergmassivs wurde die „hungrige Meute“ dann zum Mittagessen mit fränkischen Spezialitäten versorgt; im Gasthaus Kroder verlangten die Exkursionsteilnehmer vor allem nach „Schäufele“.

Der Nachmittag begann mit der Kirchenburg in Effeltrich. Sachkundig führte uns Herr Sebastian Mikisch, der seine Magisterarbeit an der Universität Bamberg über die Kirchenburgen der Fränkischen Schweiz abgeschlossen hat. Die Anlage, die in ihrem heutigen Erscheinungsbild vorwiegend aus dem 15. Jahrhundert stammt, besteht aus einer umlaufenden, mit Ecktürmen versehenen Mauer mit Wehrgang; im Innenhof steht die unbefestigte Kirche. Beeindruckend ist auch die Toranlage, die sogar noch ältere Grundsubstanz aus dem frühen 14. Jahrhundert aufzuweisen hat.

Weiter ging es nach Kunreuth. Hier besichtigten wir das Schloss, das sich seit dem Mittelalter bis heute ungebrochen im Besitz der Herren von Egloffstein befindet. Die für die Region eher untypisch als Wasserschloss ausgeführte Anlage verfügt an der Schauseite über trutzig wirkende Ecktürme. Schloss Kunreuth geht in seinem baulichen Ursprung bis in das 14. Jahrhundert zurück, erhielt das heutige Erscheinungsbild jedoch vor allem durch An- und Umbauten in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Historiker Dr. Andreas Otto Weber informierte uns zur Geschichte des Hauses, das in der Regel nicht zugänglich ist und uns freundlicherweise durch den Besitzer, Dr. Albrecht Graf von und zu Egloffstein, zugänglich gemacht worden ist. Noch heute ist das umfangreiche Familienarchiv an diesem Ort untergebracht.

Über Ebermannstadt befindet sich der sogenannte Burgstall. Es handelt sich dabei um die Reste einer Turmhügelburg (Motte) des 11. Jahrhunderts. Insgesamt beeindruckt die Größe der Anlage, die mit ihrem Wall einen Umfang von 120 x 110 m erreicht. Besonders aufgefallen sind uns – nicht nur hier – die hervorragenden Informationstafeln, die vor einiger Zeit im Zuge eines LeaderPlus-Projektes angebracht worden sind.

Nur ein bis zwei Kilometer entfernt steht auf dem gleichen Bergmassiv die Burg Feuerstein. Zumindest von außen konnten wir einen Blick auf die gewaltige Anlage nehmen, die mit ihrem Baudatum von 1941 das jüngste Objekt unserer Reise darstellte. Als Labor zur Erforschung der Hochfrequenztechnik für den Physiker Oskar Vierling errichtet, der hier mit 250 Angestellten Versuche für die Kommunikationstechnik der Deutschen Wehrmacht durchführte, war die Gestaltung in Form einer mittelalterlichen Burg als Tarnung konzipiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Burg Feuerstein in den Besitz der Kirche, die hier seit 1946 eine Herbergs- und Bildungsstätte für die katholische Jugend betreibt.

Der ereignis- und objektreiche erste Tag klang am Abend gemütlich in Ebermannstadt im „Gasthof zur Post“ aus, wo wir Quartier bezogen hatten.

Ausgeschlafen und nach einem reichhaltigen Frühstück ging es gestärkt bei Frühnebel zur Burg Greifenstein. Das vor allem durch Barock und Historismus gekennzeichnete Schloss geht in seinen Ursprüngen auf das 12. Jahrhundert zurück und befindet sich seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Familie von Stauffenberg. Noch heute ist es Wohnsitz des Grafen Otto Phillip Schenk Graf von Stauffenberg, wird aber in großen Bereichen auch museal genutzt. Eine fachkundige Führung machte uns mit der Geschichte des Hauses und den zahlreichen Sammlungen vertraut; beeindruckend ist die umfangreiche, vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert reichende Waffensammlung. Bekannt ist die Familie vor allem durch den Hitler-Attentäter Oberst Claus Graf Stauffenberg, ein Onkel des jetzigen Besitzers.

Nach Verlassen des Schlosses und Auflösung des Nebels führte die Route weiter zu der Burgruine der fränkischen Schweiz: die Neideck. Hier erfuhren wir wissenswertes zu Geschichte und Archäologie durch Frau Nina Günster, die im Zuge ihrer Magisterarbeit die Wasserversorgung fränkischer Burgen untersucht hat. In diesem

Ruine_Neideck Burg_Rabeneck

Ruine Neideck: Ansicht der Kernburg
mit dem markanten Eckturm

Burg Rabeneck: Die Teilnehmer
der Landesgruppe vor dem
spätmittelalterlichen Torturm

Zusammenhang ist auch die Neideck erwähnenswert, befand sich hier doch eine jener bemerkenswerten Filterzisternen zur Bevorratung des kostbaren Nass’. Die großflächige Burganlage verfügt in Resten über Substanz aus dem 11. bis 16. Jahrhundert und konnte in den letzten Jahren zumindest stellenweise durch die Universität Bamberg archäologisch untersucht werden. Markanter Blickfang ist der über dem schroffen Felsabhang thronende Eckturm der Kernburg.

Bis zum Mittag blieb noch Zeit, die auf der gegenüberliegenden Talseite sich befindende Burgruine Streitberg zu besichtigen. Die Anfang des 12. Jahrhunderts erstmals erwähnte Burg wurde mehrfach zerstört (u. a. Markgrafenkrieg, 30jähriger Krieg) und wieder aufgebaut, bevor sie 1812 an Einwohner der Ortschaft verkauft und endgültig als Steinbruch genutzt worden ist. Selbst wenn aus diesem Grund nur minimale Baureste vorhanden sind, so lassen alte Stiche doch eine recht imposante Anlage erahnen, die zudem mit einer malerischen Aussicht ins Wiesenttal aufwarten kann.

Wieder bei regionaltypischen Köstlichkeiten stärkte sich die Landesgruppe im Gasthaus „Zum Schwarzen Adler“ in Streitberg, bevor die letzten beiden Etappen der Zwei-Tages-Tour angefahren wurden.

Dazu zählte auch die kleine Burg Rabeneck in der Nähe von Waischenfeld. Das im 12. Jahrhundert gegründete „Felsennest“ verfügt über einen spätmittelalterlichen Torturm sowie einen mehrgeschossigen Wohnbau des 13. Jahrhunderts. Ein tiefer Halsgraben trennte die Kern- von der einstigen Vorburg ab; ebenfalls außerhalb, an den Hang geschmiegt, steht die kleine Burgkapelle des 15. Jahrhunderts. Die mannigfache Besitzerwechsel durchlebte Anlage befindet sich seit 1975 in Privatbesitz; eine Gastronomie und Pension lädt zum Verweilen ein.

Letzte Station unserer Exkursion war dann die älteste Burg der Fränkischen Schweiz: Burg Pottenstein. Die Anlage beeindruckt schon allein bei der Anfahrt durch ihre Lage in 60 m Höhe auf einem Jurafels. Bauliche Substanz auf dem zerklüfteten Plateau hat sich ab dem 11./12. Jahrhundert erhalten. Schon der Aufstieg über die hölzerne Treppe hinauf zur Hauptburg ist eine Reise wert! Die Gründung des Pfalzgrafen Bodo von Kärnten ging zu Beginn des 12. Jahrhunderts in den Besitz des Bistums Bamberg über; 1228 soll sich Elisabeth von Thüringen auf der Burg aufgehalten haben. Heute befindet sich Burg Pottenstein im Besitz der Familie der Freiherren von Wintzingerode, die nicht nur auf der Burg wohnt, sondern auch die umfangreichen Sammlungen für die Nachwelt erhält und öffentlich museal präsentiert. Dankenswerterweise konnten wir vom Hausherrn persönlich eine Einführung zur Geschichte der Burg sowie Erfahrungen zu den Freuden und Leiden eines Burgbesitzers vernehmen.

Pottenstein war auch bewusst als letztes Ziel der Reiseroute gewählt worden, weil die meisten Teilnehmer der Exkursion von hier aus eine ideale Anbindung zur Autobahn A9 in Richtung Heimat hatten. Insgesamt haben wir eine bedeutende Burgen- und Schlösserlandschaft in all ihren Facetten kennengelernt, wobei die zeitbedingt bescheidene Auswahl der Exkursionsziele nur noch Lust auf mehr gemacht hat. Hervorzuheben ist zudem, dass sich die Fränkische Schweiz als sehenswerte und touristisch hervorragend erschlossene Reiseregion präsentiert. Neben der traumhaften Landschaft und Kulisse ist dies nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass die Preise für Übernachtung und Essen durchweg sehr günstig und somit besucherfreundlich sind.

Abbildungsnachweis:

Abb. 1-3: Peter Herrmann-Trost, Beesedau