Home Berichte Exkursion Goitzsche

Exkursion Goitsche

burgkemnitz1

Schlösser, Burgen und Herrenhäuser
rund um die Goitzsche
Exkursion der Landesgruppe Sachsen-Anhalt am 17.04.2010

Text und Fotos: Mirko Seidel

Schloss Burgkemnitz  

muldenstein1 muldenstein2
Schloss Muldenstein  Schloss Muldenstein
muldenstein3

Die erste Exkursion im Jahr 2010 führte die Landesgruppe Sachsen-Anhalt an die Goitzsche bei Bitterfeld. Erstes Ziel war Muldenstein. Die in romanischer Zeit auf einem Porphyrfelsen am Ufer der Mulde gegründete Kirche wird 1473 Klosterkirche des durch Kurt von Ammendorf gestifteten Franziskanerklosters. Ab 1541 wird das Kloster unter Johann von Taubenheim zum Rittergut umgebaut. Adolph Meisel erbaut Ende des 19. Jahrhunderts die heutige Zweiflügelanlage, unmittelbar anschließend an die romanische Kirche. Das Äußere besticht durch eine einfache, durch farbige Fenster- und Türgewände abgesetzte Fassade und einem Volutengiebel. Die beiden Gebäudeflügel und die Kirche umschließen einen malerischen Hof, der sich zur Mulde öffnet.

Schloss Muldenstein

Im seinem Inneren gefällt das Herrenhauses Muldenstein durch eine einheitliche Gestaltung aus dem frühen 20. Jahrhundert, die bis in unsere heutige Zeit weitgehend erhalten geblieben ist. Eigentümer heute ist die Gemeinde Muldestausee, die in dem Gebäude ein soziokulturelles Zentrum eingerichtet hat.

 burgkemnitz1
 burgkemnitz2
 Schloss Burgkemnitz  Schloss Burgchemnitz
burgkemnitz3

Nächstes Ziel der Exkursion war das Schloss in Burgkemnitz. Der Ursprung der Anlage geht auf eine mittelalterliche Wasserburg zurück. Die Reste der Wassergräben lassen sich heute noch im Schlosspark erahnen. Im Jahre 1665 ging der Besitz derer von Koseritz an Bodo von Bodenhausen über. In den folgenden Jahren wird anstelle der Wasserburg eine barocke Dreiflügelanlage errichtet, die in ihrer Grundform bis heute erhalten ist. Zwei Portale datieren das Schloss auf 1696 und 1749.

Schloss Burgkemnitz  

Im Jahr 1869 lässt Bodo Freiherr von Bodenhausen das Schloss umbauen. Dabei entsteht die dem Park zugewandte Südseite im Stil der Neorenaissance mit lünettenbekröntem Mittelrisalit und Ecktürmen, die an die Schlösser der Loire erinnert. Im Südflügel blieb auch die repräsentative historistische Innengestaltung weitgehend erhalten.

Das Schloss Burgkemnitz wurde nach 1945 u.a. als Parteischule und nach 1990 als Caritas-Wohnheim genutzt. Heute steht es leer und wartet auf eine neue Nutzung.

Vor der Weiterfahrt ließen es sich die Exkursionsteilnehmer nicht nehmen, durch den Park zur nahe gelegenen Kirche zu laufen. Die Überraschung war groß. Der barocke, einschiffige Bau aus dem Jahr 1772 wartet im Inneren mit einer aufwändigen Ausstattung auf. Der tonnengewölbte Kirchenraum und die zweigeschossigen Holzemporen waren mit einer sogenannten Bauernmalerei reich verziert.

 

Als drittes Objekt stand die Besichtigung des Schlosses Pouch auf dem Plan. Schloss Pouch, 891 erstmals urkundlich erwähnt, geht auf eine mittelalterliche Burganlage zurück, die auf dem Hochufer der Mulde entstand. Die Reste der Burgmauer, zwei Türme aus dem 13./14. Jahrhundert und die Größe des Burghügels lassen vermuten, dass es sich hier nicht nur um eine untergeordnete Anlage gehandelt haben kann.

Im späten 18. Jahrhundert wird ein zweiflügeliger Bau mit hohem Mansarddach errichtet, der malerisch in den um 1800 angelegten Landschaftspark eingebettet ist.

 

Den Abschluss der Exkursion bildete das Schloss im sächsischen Delitzsch. In unmittelbarer Nähe einer ausgedehnten Burg mit Wassergraben lässt Herzog Christian I von Sachsen-Merseburg 1690 bis 1696 die zweiflügelige Anlage errichten. Das Schloss diente als Witwensitz der Christina von Sachsen-Merseburg. 1731 unter Fürstin Henriette-Charlotte von Sachsen-Merseburg ausgebaut, wird das Schloss 1856 zum Frauengefängnis. In diese, nun preußische zeit, fällt auch der Abriss des runden Treppenturmes an der Nordseite und der Neubau eines rechteckigen Treppenhauses im klassizistischen Stil.

Die Brücke über den Wassergraben, die den Zugang zum Schloss markiert, wird von zwei Obelisken flankiert, wie sie auch bei den herzoglich-sächsich-merseburgischen Schlossbauten in Merseburg und Lützen zu finden sind. Von der vormaligen Burg ist ein Turm erhalten geblieben, der in den Schlossbau integriert wurde.

Im Inneren des Schlosses haben wertvolle Parkettfußböden die Nutzung als Gefängnis überdauert. Seit den 1990er Jahren wird das Schloss, in dem heute ein Museum untergebracht ist, restauriert und dabei die historischen Raumfassungen wieder hergestellt.