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Exkursion Magdeburger Börde

 

Abb1Exkursion zu Burgen in

der Magdeburger Börde

der LG Sachsen- Anhalt

 

 

von Ralph Spitzbarth und

Dr. Hermann-Trost

 

2. Bericht

 

Im April begab sich die Burgenfreunde der Landesgruppe , die in diesem Jahr ihr 20 jähriges Bestehen begehen kann, auf Spurensuche in ein, ob seines eintönig, flachen Landschaftsbildes wenig frequentierten Teil unseres Landes. Umso erfreulicher, dass sich zur ersten Exkursion des Jahres ein Drittel der Mitglieder einfand.

 

Abb2Was das Bodenrelief in der Börde vermissen lässt, macht die Qualität der fetten Lößböden jedoch wett. Die damit erzielten überdurchschnittli-chen Ernten versetzten ihre Besitzer in die Lage, große, teils prächtige Herrschaftssitze finanzieren zu können. Umfänglich daher auch gleich der Ausgangspunkt unserer Tour, die Burg Egeln. Eine Niederungsburg mit umfangreichen Wall-und Grabenanlagen, die 814 erstmalig genannt wird. Zunächst wohl Reichsburg, später Grafenburg und im Besitz der Fam. von Hadmersleben gelangt sie an die Erzbischöfe von Magdeburg.

 

Die Anlage ist von einem Graben in eine Ober- und Unterburg geschieden,

 wobei die Unterburg wohl der ältere Teil ist. Später wurde der 42x42 m große

Wohnblock an die Ringmauer angesetzt. Beide Burgteile sind von einem breiten Wassergraben und Wall umzogen. Der Zugang von der Stadt aus erfolgt durch zwei Tortürme durch die Unterburg, die zum Wirtschaftshof geworden ist. Eine Zugbrücke

 

ist dem Tor der Oberburg vorgelagert. Dort befindet sich in der NW Ecke ein sechs- geschossiger Bergfried . Durch die gut sanierte Anlage wurden wir fachkundig vom Chef des kleinen Museums geführt. Dieses und die Nutzung als Wohnungen füllen die großvolumigen Bauten einigermaßen, so dass ein guter Erhaltungszustand feststellbar ist.

 

Unser nächstes Ziel, die Burg Ummendorf präsentierte sich gleichfalls in einem guten Sanierungszustand. Die Nutzung als Schule und Landwirtschaftsmuseum der Börde haben den Bau gut über die bautechnischen Engpässe des Sozialismus kommen lassen.. Wieder eine Niederungsburg mit Wassergräben und Wällen, die ursprünglich eine Rundburg der Fam. von Meyendorff war. Mitte des 16.Jh. erfolgte der Abbruch der alten Burg und unter Mitbenutzung der Keller die Errichtung der rezenten kastellartigen Renaissanceanlage.

 

Die Kernburg ist von einem Zwinger umzogen , der an den Ecken mit Rundtürmen bewehrt ist. Heute sind vom hier gepflegte Kräuter- und Blumenbeete , als Schauanlage des Landwirtschaftsmuseums, angelegt.   Besonders interessant ist der, bis zur halben Höhe aus dem romanischen Vorgängerbau stammende ,Bergfried. In seinem Innern sind sowohl noch gut erhaltene bauzeitliche Kaminanlagen , als auch der Brunnen im Kellergeschoß zu sehen. Trotz der Enge , zwängten sich alle Exkursanten bis in das letzte Geschoss unter der Welschen Haube. Hier befindet sich ungewöhnlicherweise keine schlichte Türmerstube, sondern eine Art Studio. Wappenstein und Inschriftentafel sowie ein mit Rollwerk versehener Kamin lassen die Nutzung durch den Schlossherrn, eventuell zu astronomischen Zwecken, vermuten.

 

Abb3Nach dem Mittagstisch im benachbartem Gasthaus zog die Karawane weiter nach Altenhausen. Die Anlage fand trotz ihrer herausforderten Größe einen Investor, dem es zu gelingen scheint, das umfangreiche Ensemble zu sanieren und füllen zu können . Gastronomie, ein Jugendhotel und Reitsport sorgen für den Unterhalt der Gebäude . Vom Typ erwartungsgemäß eine Niederungsburg aus runder Kernburg und westlich vorgelagerter Vorburg bestehend. Durch barocke und , jetzt das Erscheinungsbild dominierende, historisierende Umbauten wurde die Anlage um 1890 zu einem repräsentativen Sitz derer v. Schulenburg umgeformt. Die herrschaftliche Zufahrt erfolgt durch das diamantgequaderte, barocke Alexandertor . Dahinter erfolgt der Zugang zum Wirtschaftshof durch das profilierte spitzbogige Andreastor. Hier barocke Stallungen und auch ein gotischer Speicher, welcher allerdings noch auf seine Rettung wartet. Am eigentlichen Schloss ein dominanter neogotischer Turm mit malerischen Loggienvorbauten. Wieder war ein Turm zu ersteigen, wenn auch nur ein Pseudobergfried des 19. Jh. Im labyrinthischen Inneren des Haupthaus auch ein durchaus interessantes Stilgemisch aus barocker Treppenanlage, deutscher Neorenaissance und englischem Tudorrevival (Reithalle) mit Kaminen und kräftigen Stuckaturen. Im ehem. Speisesaal wiederum frühklassizistische Noblesse mit feiner Stuckgliederung und Supraportenreliefs. Ein Haus wie eine steinerne Stilkunde.

 

Abb4Nach soviel baulichen Überschwang hatten wir noch ein kleineres Objekt zum Ziel.

 

Bergen, eine ehem. Komturei des Deutschen Ordens. Der mauerumfriedete Wirtschaftshof wird auch heute noch landwirtschaftlich genutzt. Die neue Besitzerfamilie hat es neben den Notwendigkeiten des Agrarbetriebs verstanden, die alte und vollkommen heruntergewirtschaftete Bausubstanz des Komturhauses und der spätromanischen Ordenskapelle schrittweise zu sanieren. Unser Vereinsmitglied Herr Hildebrandt hatte in der Schriftenreihe “Burgen und Schlösser in Sachsen- Anhalt” bereits eine kleine Monographie über das Objekt Bergen veröffentlicht, sodass wir einen kompetenten Cicerone hatten, der auch auf die seit Jahrhunderten zugesetzten gotischen , lanzettartigen Chorfenster hinweisen konnte Auch im Inneren, der jetzt wieder für den katholischen Ritus genutzten Kapelle, sind schöne Ausstattungsstücke, wie Epitaphe zu sehen. Ein kleiner Imbiss im Komturshaus beschloss einen ereignisreichen Tag.

 

Abb5Unser Fazit auch für andere Landesgruppen - die Börde ist durchaus eine Exkursion wert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verzeichnis der Abbildungen:

 

Abb.1:Wasserburg Egeln mit Blick in den Innenhof der Burg

 

Abb.2:Burg Ummendorf - Renaissanceflügel im Innenhof

 

Abb.3:Schloss Altenhausen- Eingangsfront mit Alexandertor

 

Abb.4:Schloss Altenhausen – neogotisches Ensemble mit Turm

 

Abb.5:Komturei Bergens-Eingangstor zum bewehrten Wirtschaftshof