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Picknickexkursion Reinharz, Wartenberg und Klöden

Schloss Reinharz Exkursion der Landesgruppe Sachsen-Anhalt der DBV am 20. Juni 2009

Eine Tagesexkursion des Jahres führt die Landesgruppe traditionell als sog. „Picknickexkursion“ durch. Diesmal ging es in den Raum südöstlich von Wittenberg: in ehemals kursächsische Gebiete. Die Planung und Vorbereitung lag in den Händen von Vorstandsmitglied Reinhard Schmitt.

Treffpunkt war um 9.30 Uhr in Reinharz vor dem Schlosseingang. Eine Mitarbeiterin des Fördervereins Schloss Reinharz e. V. führte uns in die Geschichte und Baugeschichte des Ortes und Schlosses ein.

Der von Wasserflächen umgebene, hufeisenförmige Barockbau von zweieinhalb Geschossen Höhe mit einem in der Mittelachse halb vor die Fassade tretenden achtgeschossigen und achteckigen Treppenturm mit Aufsatz und Haube beherrscht weithin die Landschaft.

Von einem älteren Herrenhaus des 16. Jahrhunderts haben sich im Erdgeschoss noch zwei kreuzgratgewölbte Räume erhalten, deren Wölbung in einem Raum über einer toskanischen Säule ruht. Der heutige Bau wurde 1690 bis 1701 errichtet. 1748 erhöhte man den ursprünglich niedrigeren Turm. Zugleich erhielten die Paraderäume eine neue Ausstattung im Stil des Dresdner Rokoko.

Von den Haupträumen seien insbesondere die Erdgeschosshalle des Turms, ein Saal mit vergoldeter, reich geschnitzter Rokokovertäfelung und Marmorkamin, mehrere Räume mit Stuckdecken und zahlreichen Porträtgemälden aufgeführt.

Die überaus reiche und zumeist auch gut erhaltene Barockausstattung beeindruckte die Gäste zutiefst – findet sich dieser sächsische Barock eben nur in den bis 1815 zu Kursachsen gehörigen Territorien und nicht in den ehemals magdeburgischen, halberstädtischen oder Sekundogeniturherrschaften im Süden Sachsen-Anhalts.

Insbesondere die jüngste Geschichte in den letzten Jahren der DDR mit der Einrichtung eines Internierungslagers für Oppositionelle wird den Mitgliedern unserer Reisegruppe tief im Gedächtnis haften bleiben.

Ein Spaziergang durch den barocken Schlosspark beendete den Aufenthalt in Reinharz.

wartenburgZweite Station der Exkursion war Wartenburg. Im dortigen Schloss befindet sich jetzt eine Kindertagesstätte der evangelischen Kirche (EJF gemeinnützige AG). Seitens der Heimleitung wurde uns ein herzlicher Empfang bereitet und an-schließend durch alle wichtigen Räume geführt. Dabei wurde schnell deutlich, wie angemessen die derzeitige Nutzung für das Schloss ist.

Das ehem. Rittergut war seit 1530 im Besitz der Familie Löser auf Pretzsch, seit 1651 derer von Witzleben, seit 1748 des Grafen Friedrich Wilhelm von Brühl, eines Bruders des sächsischen Premierministers und seit 1769 der Grafen von Hohenthal.

Der bestehende Bau ist eine im Kern kastellförmige, einst von Wassergräben umgebene Vierflügelanlage von 1603; nach 1769 erfolgte ein spätbarocker Umbau in enger stilistischer Beziehung zur Dresdner Schule Johann Christoph Knöffels. Das äußere Erscheinungsbild ist eher nüchtern, sehr regelmäßig gebildet, gegliedert durch umlaufende Lisenen. Noch vor dem zweiten Weltkrieg wurde der Nordflügel abgetragen, um an seiner Stelle eine Öffnung des Hofes über eine Terrasse zum Park hin zu erzielen. Von der Innenausstattung haben sich neben der Raumstruktur einige Kamine und Türen des 18. Jahrhunderts erhalten.

Nach der Besichtigung trafen wir uns alle im Park zum reichhaltigen Picknick, das Dirk Höhne vorbereitet hatte.

hemsendorf
Schloss Hemsendorf,
Foto Ernst Mühlenberg

Da die jetzigen Besitzer von Schloss Hemsendorf an diesem Wochenende verreist waren, konnten wir das Innere des reizend gelegenen Wasserschlosses nicht besuchen.

Dieses wurde anstelle einer 1380 erstmals genannten Wasserburg vor 1697 unter Christian Dietrich von Röbel auf Schönhausen, Buchholz und Schöneiche errichtet. Wassergräben umgeben die Vierflügelanlage in der Niederung der Schwarzen Elster. Ein fünfgeschossiger, oktogonaler Turm ist weithin in der ebenen Landschaft sichtbar.

In unmittelbarer Nähe erhebt sich ein barocker Fachwerkbau aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Den Abschluss unserer Reise bildete die Besichtigung von Schloss Klöden. Das überaus anmutig in der Elbeniederung gelegene kursächsische Kammergut hat historisch seine Wurzeln im 10. Jahrhundert. Der verputzte zweigeschossige Zweiflügelbau birgt Bausubstanz seit dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts; vielleicht enthalten die Keller noch ältere Mauerzüge. Bemerkenswert sind die Deckenverzierungen und –bemalungen im Ostflügel, der erst kürzlich vor dem Einsturz bewahrt werden konnte. Sehenswert sind auch die Reste der schwarzen Küche. Manche Details erinnern an die Schlösser in Pretzsch und Reinharz.

kloedenNach zunächst missglückten Versuchen einer Revitalisierung hat der Förder-verein Burg Klöden e. V. die Anlage im Jahre 2005 übernommen. Die Sanie-rungsbemühungen sollen in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Ziel ist, die Burg, die inmitten des UNESCO-Biospähärenreservats Mittelelbe liegt, für den Tourismus, insbesondere den Fahrradtourismus, herzurichten – und: "Tausendjähriges Erbe erhalten und nutzen …"

Mit vielfältigen Eindrücken fuhren die Exkursionsteilnehmer wieder nach Hause – geprägt vom persönlichen Engagement zahlreicher Vereine und Bürger, die überkommenen Baudenkmale für die Zukunft zu bewahren, was angesichts der jeweils anstehenden Aufgaben kein leichtes Unterfangen ist.

 

Reinhard Schmitt