Veranstaltungen
Veranstaltung
- Titel:
- Mitgliederversammlung in Allstedt
- Wann:
- 20.11.2010 10.00 h - 16.00 h
- Wo:
- Schloss Kalbsrieth -
- Kategorie:
- Exkursion
Beschreibung
Kalbsrieth
Vielleicht fand bei Kalbsrieth die berühmte Schlacht Heinrichs I. gegen die Ungarn im Jahre 933 statt (Riade). In Betracht wird auch Ritteburg in der Nähe gezogen.Das Gut wurde im Jahre 1426 von der Familie von Kalb erworben. Bekannt wurden Ort und Besitzerfamilie durch Charlotte von Kalb (1761-1843) , die - mit Heinrich von Kalb verheiratet – mit Friedrich Schiller freundschaftlich verbunden war. Schiller hielt sich mehrfach in Kalbsrieth auf. Nach dem Selbstmord ihres Mannes und ihres Sohnes lebte Charlotte verarmt in Berlin. Zwischen 1821 und 1908 bewohnte die Familie Wolzogen das Gutshaus. Danach kam es in den Besitz des Artener Bankiers Hans Büchner, der das Andenken an die klassische Zeit des Ortes wach hielt. Ein schlichter, zweigeschossiger verputzter Bruchsteinbau auf kreuzförmigem Grundriss. Errichtet im späten 17. Jahrhundert durch die Familie von Kalb. Erneuernde Ausstattung im Stile der Goethezeit nach 1908. Im Park befinden sich mehrere barocke Plastiken.
Literatur:
Stockhorner von Starein, Otto: Aus der Geschichte des Rittergutes Kalbsrieth und seiner Bewohner. Heidelberg 1908
Klar, Kathrin: Schloss Kalbsrieth. In: Symposium Schlösser Wieder Entdecken und Erhalten – Nur eine Last. Erfurt 2001, S. 30-31
Kulturelle Entdeckungen Thüringen. Landkreis Eichsfeld, Kyffhäuserkreis, Landkreis Nordhausen, Unstrut-Hainich-Kreis. Regensburg 2009, S. 119-120
Allstedt

Das Schloss erhabt sich auf einer Bergzunge nordöstlich der Stadt. Bereits im Hersfelder Zehntverzeichnis aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts als "Altstediburg" erwähnt, diente der Ort bis ins 12. Jahrhundert als Reichsburg und beliebte Pfalz der deutschen Könige. 1180 kam er in den Besitz der Landgrafen von Thüringen, und seit 1247 bis 1920 gehörte er zu wechselnden wettinischen Linien (dazwischen 1369‑1496 Herren von Querfurt, 1526‑75 Grafen von Mansfeld und Stolberg). Erst 1945 kamen Stadt und Burg an die Provinz Sachsen, das heutige Sachsen-Anhalt.
Von der früh- und hochmittelalterlichen Burg bzw. Pfalz sind auf dem Schlossberg nur geringe Reste eines Grabens nachgewiesen worden. Erst aus spätromanischer zeit haben sich Mauern erhalten. Burg und Schloss Allstedt, wie die Anlage heute bezeichnet wird, bilden eine weit ausgedehnte und die Landschaft beherrschende Höhenburg, bestehend aus Kernburg, Vorburg und östlichem Wirtschaftshof (um 1889 als Gestüt neu errichtet). Um die Kernburg erstreckt sich ein breiter tiefer Graben; auch die Vorburg ist im Osten und Süden durch Gräben eingefasst. In die Vorburg gelangt man über eine Steinbrücke von 1693 und durch einen gotischen Torturm (um 1340) mit einer Bekrönung von vier Renaissancegiebeln von 1536. Es folgt zunächst ein fünfeckiger Hof, dessen Gebäude 1746/47 nach Plänen des thüringischen Landbaumeisters Gottfried Heinrich Krohne unter weitgehender Preisgabe der mittelalterlichen Bebauung für Wohnzwecke barock umgestaltet bzw. neu errichtet wurden. Der Torturm wurde dabei symmetrisch eingefasst, doch blieb die Neugestaltung unvollendet. Von der Rokoko-Ausstattung dieser Bauten sind nur die stuckierten Kaminnischen erhalten. Ältere Gebäude finden sich im Norden der Vorburg (Brauhaus von 1548‑50, Försterwohnung von 1723).
Westlich der Vorburg gelegen, erreicht man die Kernburg über eine steinerne Brücke von 1774/75. Der Hof der Kernburg ist auf drei Seiten von Wohnbauten umstellt. Zur ältesten Bausubstanz zählt ein im Nordosten stehender annähernd quadratischer Turm, der trotz zahlreicher Veränderungen noch als spätromanisch anzusehen ist. Die anschließenden Ringmauern mit massivem, rundem Eckturm sind wohl etwas jünger. Die ursprüngliche westliche Begrenzung dieser Burg lag vermutlich anstelle der heutigen hofseitigen Westmauer; weitere Bauten sind nicht bekannt.
Im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts errichteten die Edelherren von Querfurt aufwendige, bis zu 3,5 m starke Wehrmauern in der südlichen Hälfte der Ostseite, an der gesamten Südseite und an den Außenwänden des späteren Westflügels; hier wie auch in der Torhalle haben sich raffiniert angelegte Schießscharten (Hosenscharte) mit so genannten Kugelschutzbohlen (wie in Querfurt) erhalten.
In den 1460/80er Jahren erfuhr der Westflügel einen umfassenden Ausbau für Wirtschaftszwecke, mit einer großen Küche und einem Keller darunter. Diese Küche zählt zu den am besten erhaltenen im spätmittelalterlichen Burgenbau Deutschlands. Ihr Schlot reicht noch heute bis zum Dachfirst hinauf. Die Rauchfangbögen um die offene Feuerstelle mit zahlreichen Steinmetzzeichen wie an der Westtoranlage der Burg, die Freistützen und Gewölbejoche mit Querfurter Wappen auf den Schlusssteinen sind von hervorragender Qualität.
Der Ostflügel diente als Wohnbau der Edelherren von Querfurt; erhalten hat sich davon vermutlich nur die Ostwand oberhalb der älteren Wehrmauer. Südlich grenzt das damals ebenfalls erneuerte Burgtor an, bestehend aus zwei gewölbten Kammern, rundbogigen Toren und einer Wachstube.
Bemerkenswert und durch archivalische Quellen seit 1507 bestens bezeugt ist der Neubau des Westflügels unter Kurfürst Friedrich dem Weisen. Baumeister war Hans Stern aus Süddeutschland. Bis 1511 entstand unter Verwendung der Außenmauern und der Küche ein moderner Wohnbau, wovon außen die Stufengiebel im Norden und Süden sowie die kreuzstabprofilierten Vorhangbogenfenster künden. Die einstige Ausstattung war nach den Quellen überaus reich. Im tief gelegenen Erdgeschoss wurde neben der älteren Küche mit Fenstern zur Essenausreichung auf den Hof eine Hofstube eingerichtet. In der hofseitigen Wand führte eine Mauertreppe ins Obergeschoss, wo sich die Wohngemächer der kurfürstlichen Familie befanden. Unter den Grafen von Mansfeld erfolgten einige Modernisierungsmaßnahmen am Nordflügel (u. a. im Keller) und am Ostflügel (Hofwand). Unter Graf Wolfgang von Stolberg wurden diese Ausbauten 1547/52 fortgesetzt (Neubau der Kapelle über der spätgotischen Wachstube als Nachfolger einer älteren Kapelle).
Umfangreiche Barockausbauten zwischen 1681 und 1695 prägen bis heute das Erscheinungsbild des Schlosses. Sie erstreckten sich auf Küche und Hofstube und zahlreiche Stuckdecken im Obergeschoss. Die Decke im Kamingemach mit allegorischen Figuren und Putti in kräftigem Stuck stammt von Nicolao und Giovanni Battista Carcani (1694, auch in Weimar und Sondershausen/Thüringen tätig). Die Stuckdecke im sog. Audienzgemach oder Fürstenzimmer (inschriftlich 1703) wurde 1988/89 zum größeren Teil erneuert, die gemalten Darstellungen aus der Apollosage im Mittelfeld fertigte Wolfgang Peuker. Von den damaligen Arbeiten im Nord- und Ostflügel durch den Eisenacher Landbaumeister Melchior Emanuel Kretzschmar hat sich kaum etwas erhalten. Unter seiner Leitung 1722/23 wurde die Kapelle erneut umgestaltet.
Die Pläne Herzog Ernst Augusts von Sachsen-Weimar-Eisenach, die gesamte Kernburg 1746/48 für einen aufwendigen Neubau abzubrechen, sind nach seinem Tode nicht weiter verfolgt worden. Im 19. Jahrhundert diente das Schloss als Aufenthaltsort für die Weimarer Großherzöge. Für deren Bedürfnisse überbaute man u. a. 1860/61 die südliche Wehrmauer mit mehreren Kammern. Seit 1881/82 ermöglicht ein hölzerner Verbindungsgang (unter Verwendung barocker Kirchstühle aus der Michaeliskirche in Jena/Thüringen gezimmert) die Kommunikation zwischen Ost- und Südflügel.
Nach 1918 wurden die Räume der Kernburg und des Vorschlosses nahezu vollständig ihrer Ausstattung beraubt. Pächterwohnung, NS-Organisationen und Wohnungen setzten der Bausubstanz arg zu. Seit 1952 bemühte sich die Denkmalpflege um die Kapelle, und erst in Vorbereitung des Bauernkriegsjubiläums 1974/75 wurden die Räume leer gezogen und schrittweise instand gesetzt, im Ostflügel eine Thomas-Müntzer-Gedenkstätte eingerichtet. Der Westflügel konnte erst nach umfänglichen Sicherungsmaßnahmen und Bauforschungen 1986/89 saniert und museal neu gestaltet werden. Damals wurde der Ostflügel im Obergeschoss wiederum verändert. Die Kapelle erhielt eine neue Orgel (1990).
Thomas Müntzer
Der berühmte und im Laufe der Geschichte immer wieder einseitig ideologisch vereinnahmte Theologe und Bauernführer (um 1489 bis 1525) war 1523 und 1524 Pfarrer an der Stadtkirche in Allstedt. Am 13. Juli 1524 hielt er die so genannte „Fürstenpredigt“ vor Kurfürst Johann und dessen Sohn Johann Friedrich. Darin forderte er die ernestinischen Fürsten auf, der Sache der Reformation keinen Widerstand zu leisten, und griff zugleich die sozialen Missstände scharf an. Die Konsequenz war, dass er seine Pfarrstelle verlor. Im August 1524 floh er schließlich vor der Obrigkeit von Allstedt nach Mühlhausen, wo er 1525 Pfarrer an der dortigen Marienkirche wurde. Traditionell verlegte man den Ort der Fürstenpredigt in die Schlosskapelle. Es ist aber wahrscheinlicher, dass die Fürsten Müntzer in einem Amtsraum in der Vorburg zuhörten.
Literatur
Rüger, Reinhard/Schmitt, Reinhard: Schloß Allstedt. Baugeschichte und
Denkmalpflege. Allstedt 1989 (1990); Böge, Rainer/Schmitt, Reinhard: Schloß
Allstedt. 2. Auflage. München/Berlin 1993 (Große Baudenkmäler Heft 451)
Reinhard Schmitt
Veranstaltungsort
- Veranstaltungsort:
- Schloss Kalbsrieth
Beschreibung
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